Ereignisreiche Tage am Kap. Die Regierung um den korrupten Populisten Zuma kommt nicht zur Ruhe und die Luft wird immer dünner für ihn.
Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich schon seit Jahren schreibe dass die Luft für Zuma enger wird und langsam mag es unglaubwürdig klingen, doch sein Weg ist eine Reihenfolge von Eskapaden, die ihm über kurz oder lang das Genick brechen werden. In dem Fall reden wir dann jetzt schon von lang, denn was Südafrika unter diesem gedungenen Verbrecher seit 2009 alles ertragen musste geht auf keine Kudu-Haut.

Bevor Zuma an die Macht kam, waren vor Amtsantritt Vorwürfe in insgesamt 783 Fällen (!!!!) wegen Korruption, Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung erhoben worden. Alle wurden vom Tisch gewischt, auch der Vergewaltigungsskandal im Jahr 2005, das Jahr in dem Zuma bereits von Thabo Mbeki wegen Korruptionsverdacht als Vizepräsident entlassen wurde. 
Und so wurde Zuma der mächtigste Mann Südafrikas, der nach und nach Leute anzog, denen er als passable Marionette diente um wirtschaftliche Interessen und Macht im Land zu erlangen, wie etwa die Gupta-Familie die 1993 aus Indien nach Südafrika kamen um dort ein Vermögen zu verdienen. 

Man muss sich das mal in Europa vorstellen. Ein Polygamist ohne formelle Schulbildung lässt sich von indischen Zuwanderern so weit schmieren, dass die in ihrer Villa schamlos Leuten Ministerposten anbieten und auch nicht davor scheuen Menschen in Südafrika via sozialen Netzwerken durch Rassismusdebatten aufzuhetzen, für die sie eigenes die Firma Bell Poltinger aus England engagiert haben. Hierzu ein interessanter Artikel aus dem Citizen. 

Soviel kurz zur Vorgeschichte. Weitere Artikel zu der Entwicklung der letzten Jahre gibt es hier reichlich im Blog an anderen Stellen. Doch was ist nun passiert?
Am Freitag feuerte Zuma Finanzminister Pravin Gordhan und seinen nicht minder aufrechten Vizeminister Mcebisi Jonas und strukturierte mal eben das Kabinett nach seinem Gusto um. 
Gordhan war angetreten um eben den Sumpf auszutrocknen, von dem auch gerne der derzeitige US-Präsident faselt, während er mit beiden Beinen knietief drinsteht.

Er ist Zuma und seinen Freunden, den Gupta’s, unangenehm geworden wie kein anderer und derjenige der alle Machenschaften der derzeitigen Regierung aufdecken kann. Und wenn Zuma fällt, so wird er nicht alleine fallen und dann wird es eine schöne Schlammschlacht geben, die auch die Zukunft des ANC gefährden kann, der bei den letzten Kommunalwahlen schon einige herbe Klatschen hinnehmen musste. 

 

Am gestrigen Montag rief man landesweit in Südafrika zum Black Monday auf. Massen strömten auf die Strassen in schwarzer Kleidung und protestierten gegen die Regierung. Und das war erst der Anfang. Am kommenden Freitag soll es einen nationalen „shut down“ geben, d.h. soll die Regierung lahmgelegt werden. Im Vorfeld hat man seitens dieser schon vorgewarnt, dass ein „shut down“ unerwartete Konsequenzen haben würde.

Mit anderen Worten droht die Regierung nun dem eigenen Volk und Südafrika hat nun endlich wieder einmal die Möglichkeit zusammenzustehen und zu zeigen, dass es keine Bananenrepublik ist, sondern eine wehrhafte Demokratie. 
Hierzu müssen allerdings auch die Leute in den Townships mobilisiert werden, denn auch wie wir das gerade in anderen Ländern der Welt beobachten werden politische Prozesse zu Gunsten deren entschieden die auch die bildungsfernen Schichten erreichen und das gestaltet sich nach wie vor als schwierig. 
Neu ist eben in der derzeitigen Situation, dass Zuma in der eigenen Partei bei vielen verspielt hat. 
Bei der Beerdigung von Freiheitskämpfer Ahmed Kathrada, der Zuma einen Brief hinterlassen hat in dem er ihn von seiner Beerdigung ausgeladen und zum Rücktritt aufgeforderte hatte, las Expräsident Motlanthe die letzten Zeilen von Kathrada an Zuma vor.
Die Reaktionen nach der Aufforderung zum Rücktritt, bei einer Veranstaltung wo alles vertreten war was im ANC Rang und Namen hat, sprechen Bände (z.B. Ex-Präsident Mbeki, die Mandela Familie).

Und noch etwas ist gestern passiert. Die angesehene englische Rating Agentur S&P (Standard&Poor’s) hat Südafrika auf Ramsch-Niveau heruntergestuft! Es wurde mehrfach angedroht, nun ist dieser Schritt vollzogen und so tief gesunken war das Land zuletzt im Jahr 2000. Doch was heisst das eigentlich wenn eine Rating Agentur einen soweit herabstuft? 
Durch die Herabstufung wird Investoren quasi abgeraten am Kap Geschäfte zu tätigen und somit gilt Südafrika als Riskoland für diese. Laut S&P ist die Abwertung eine Reaktion auf die Kabinettsumbildung durch Präsident Jacob Zuma in der vergangenen Woche. Dabei wurde speziell die Entlassung des international geachteten Finanzministers Pravin Gordhan betont . Die Neubesetzung des Amtes mit Malusi Gigaba wird als Risiko für die Stabilität des Staatshaushaltes gesehen.

Alles in allem eine sehr schwierige Entwicklung und ich hoffe mit diesem Beitrag relativ kurz und verständlich gezeigt zu haben um was es eigentlich geht. Es ist so wichtig für das Land, dass Zuma abtritt, anders droht Südafrika der „failed state“ zu werden, der von vielen schon seit Ende der Apartheid herbeigeredet wird und dann wird es auch für mich keine Option mehr sein, was mich sehr traurig machen würde. 

Mit Mmusi Maimane steht nach wie vor für die DA ein guter, gebildeter Diplomat und Hoffnungsträger in den Startlöchern, dem ich durchaus zutraue das Land weiter zu einen, so wie es sich Nelson Mandela immer gewünscht hat. Wir reden hier nach wie vor von einem der schönsten Länder der Welt, mit Möglichkeiten, Bodenschätzen und kreativen Menschen von denen andere Nationen nur träumen können. Seit Zuma’s Putsch am Freitag befindet sich auch der Rand mal wieder im freien Fall und steht zum Euro bei fast 1:15. 

Hier noch ein sehr guter Artikel der Deutschen Welle

Nkosi Sikelel Iafrika

  

 

 

 

Als der Politikstudent Manxwele Chumani die Statue von Cecil John Rhodes Anfang März mit Exkremten beschmierte, ahnte ich bereits, dass es schlechte Stimmung geben würde am Kap.
Was in den letzten Wochen folgte, befeuert von Aufrufen in sozialen Netzwerken, die ich immer kritischer sehe gibt einem schon zu denken. Immer massiver protestieren schwarze Studenten gegen Symbole der Kolonialisierung und Gleichstellung an Universitäten und erzielten gestern mit der Entfernung der Rhodes Statue an der Universität von Kapstadt einen ersten großen Erfolg.

Schon seit Monaten kämpft Südafrika erneut mit der Stromversorgung und es ist langfristig keine Besserung in Sicht. Stromversorger ESKOM bietet gerade reichlich Angriffsfläche und auch die derzeitige Regierung hat maßgeblich zu den derzeitigen Verhältnissen beigetragen.
Und so gehen am Kap derzeit immer wieder die Lampen aus. Für Südafrikaner nicht ungewöhnlich, denn man kennt das schon aus den letzten Jahren und es gab bereits in den 90ern Warnung von ESKOM an die Regierung, dass die Stromversorgung langfristig nicht für alle Haushalte ausreicht.

In einem Land mit sovielen Sonnentagen, welches immer noch in Sachen Kernkraft sehr aktiv ist schwer vorstellbar, denn mit etwas Weitsicht wäre man schon lange auf neue Energien umgestiegen, aber soweit wollte die ANC Regierung eben auch nicht denken und auch jetzt beschäftigt man sich lieber mit anderen Problemen, wie z.B. Präsident Zuma, der gerade sehr großzügig gespendet hat um die Bibel erneut in Zulu übersetzen zu lassen.

Um es vorab zu sagen, ich bin kein „Uitlander“, denn so bezeichnete man die Wanderarbeiter meist britischen Ursprungs, die zum Endes des 19.Jahrhunderts ins Kap strömten, mir gefiel der Begriff aber im Bezug auf meine Sichtweise aus der Ferne.

Ich würde mich als Südafrika-Kenner bezeichnen, freilich im Rahmen meiner Möglichkeiten und die letzten Monate habe ich mit großem Interesse die Zeit vor der Wahl beobachtet, teils vor Ort, teils eben aber von hier aus via moderne Medien, soziale Netzwerke und regem Austausch mit Freunden die am Kap leben.

Es stehen also wieder Wahlen an der Südspitze des schwarzen Kontinents an, soweit so gut und ein jeder weiss dass der ANC, welchen Mr.Mandela einst so stolz an die Spitze des Landes führte wieder die Wahl gewinnen wird.
Auch Mandela’s Tod im Dezember letzten Jahres wird vor den Wahlen so manchen ANC-Wähler in Nostalgie verfallen lassen, aber trotzdem, ich sage es wird dieses Jahr etwas anders ausgehen als die Vorjahre und der ANC wird herbe Verluste einfahren.

Zum einen ist es die große Unzufriedenheit, die bei der armen Bevölkerung immer mehr wächst, zum anderen ist der einstige ANC Jugendführer Julius Malema mit seinen Economic Freedom Fighters auf bestem Wege dem angestaubten ANC doch eine Menge Stimmen wegzunehmen.

Während der aktuelle Präsident Jacob Zuma von einem Skandal in den nächsten stolpert und das ohne jegliche Scham und Reue, kann Frau Helen Zille, ehemals für Kapstadt im Amt zur Weltbürgermeisterin gewählt worden und jetzige Chefin des leistungsstarken Western Cape’s, für die von ihrer DA regierten Region das beste Wachstum im Land vorweisen und die größten Erfolge bei der Bekämpfung der Armut.

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Die Frage ist nun wie sehr dies der Wähler aufnimmt, denn Frau Zille’s Taten im Westen kommen im Eastern Cape, wo die Mehrheit der Menschen den einst von Norden in das Land gedrungenen Bantustämmen angehören, nur begrenzt an, vielleicht ist es neben der Unterdrückung zu Zeiten der Apartheid aber auch die unheimliche Weite des Landes, die es von Provinz zu Provinz so dramatisch unterschiedlich erscheinen lässt.

Es ist etwas dummdreist wie euphorisch der ANC seine Probleme wegfeiert mit großen Aufmärschen und typisch für diese Art von afrikanischen Politikern.
Im Grunde genommen haben sie Angst, denn sooft wie Präsident Zuma nun bei öffentlichen Auftritten ausgebuht wurde, die südafrikanische Wirtschaft nach wie vor auf Talfahrt ist und das Land nun auch noch von Nigeria als größte Volkswirtschaft des Kontinents abgelöst wurde, muss die Gesamtsituation auch für treue ANC Wähler sehr unbefriedigend sein.

Zeit für schreckliche Populisten wie Julius Malema, der gerade bei frustrierten, jungen Menschen viel Zuspruch findet und auch wenn ich diesen Kerl für sehr gefährlich halte wünsche ich mir, dass er dem ANC viele Stimmen abnimmt und die DA noch etwas zulegt, denn auch das könnte die Wirtschaft wieder stärken. Es dürfen halt nicht zuviele Stimmen werden und so ist Malema’s EFF Partei die große Unbekannte X bei diesen Wahlen.

Unangenehme Nebenerscheinungen dieses Wahlkampfes:

– ANC Anhänger greifen mehrfach friedliche Märsche der Oppositionspartei DA an. Das ist ihr Niveau, das ist ihre Art von Demokratie.

– In vielen Townships gab es heftige Proteste, einer davon in Gugulethu nahe Kapstadt musste gestern von der Polizei mit dem Einsatz von Tränengas gestoppt werden.

Was auch interessant wird, dass die Post-Apartheid Generation „Born Free“ nun auch erstmalig wählen darf und interessant hierbei ist, dass diese jungen Leute nicht sehr interessiert an Politik sind, dafür aber der Nachwuchs ihrer einstigen Unterdrücker.
Auch rufen viele in den Townships zu Wahlboykott auf, auch das kann den ANC Stimmen kosten.

Soviel zu meiner Betrachtung von aussen, kurz und hoffentlich plausibel erklärt was nun in Südafrika die Wahl so spannend macht. Morgen heisst es dann wieder „One Mann, one vote!“ und ich erwarte gespannt das Ergebnis.

Im Ausland lebende Südafrikaner dürften bereits letzte Woche wählen. Wie wichtig es ihnen dieses Mal ist zeigt diese Schlange vor dem Wahlbüro am Trafalgar Square.

london

Ich drücke jedenfalls dem Land und vor allem der DA und Frau Zille die Daumen.
Nkosi Sikelel’ iAfrika